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  • Über den Dächern von Wien

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Psychotherapie mit Weitblick

Ausblick von meiner Praxis aus über das Dächermeer von Wien:



Auszug  aus dem philosophischen Roman von Peter Sloterdijk „Der Zauberbaum. Ein epischer Versuch zur Philosophie der Psychologie“, Frankfurt 1987

Das „Höhen-Gleichnis“

Um seinem Schüler seine Ansicht nahe zu bringen, dass die neue Krankheit – das „nervöse Leiden“, die moderne Seelenkrankheit – eine spezifisch neue Form der Krankenbehandlung - heute würde man sagen, die der Psychotherapie - braucht, besteigt der Lehrer mit seinem Schüler einen Turm und vermittelt ihm folgendes Höhen-Gleichnis:

„Halten Sie sich gerade, junger Doktor!“ sagte LeBrasseur. „Von ein bisschen Höhenangst müssen Sie nicht den Kopf verlieren. Pavor altidudinis. Reines Nervenprodukt. Aber ich sage Ihnen, es sind die normalen Turmsymptome bei Anfängern. Wollen Sie sich endlich zusammennehmen. Denken Sie etwa, der Turm wollte Ihretwegen einstürzen? Orientieren Sie sich.“

Van Leyden begann benommen, sich umzusehen. Allmählich begannen sich die Dimensionen zu ordnen. Van Leyden überblickte die Landschaften hinter dem Stadtrand. Dort drüben, weit hinter dem Horizont, über dem vor einer Stunde die Sonne aufgegangen war, lag Wien.

Der Lehrer vollführte mit der rechten Hand eine Geste, die verriet, dass er dabei war, wieder zu einer größeren Erklärung auszuholen:

„Eh oui, es ist nicht anders, die Wissenschaften fordern Individuen, die bereit sind, den höchsten Standpunkt einzunehmen, denn wo das Bewusstsein erwacht, dort ist die entscheidende Höhe, da ist die Front des Ganzen, da ist die Stelle, wo Himmel und Erde einander ins Auge sehen. Nur von der gefährlichen Höhe aus kann man die Einsicht gewinnen, ohne die es keinen sinnvollen Umgang mit den Dingen gibt…und darum sind wir hier, Herr Kollege, sozusagen um Sie einzuüben in den Standort, den die höhere Heilkunst ermöglicht.„

Die „Höhere Heilkunst“ wird als REDEKUR beschrieben, als Kunst, einen Dialog mit dem Kranken zu beginnen und eine Sprache zu entwickeln, die der Sehnsuchtswahrheit hilft, es mit den Sprachen der Realität und des Todes aufzunehmen

…und weiter …

„Jeder Turm enthält die Ursprungsgeschichte des modernen Ich. Darum sage ich, dass keine künftige Heilkunst erfolgreich sein kann, wenn sie nicht mit einem höhenpsychologischen Erwachen beginnt. Es geht nicht mehr um diese oder jene Krankheit, sondern um das Prinzip der Krankheit schlechthin, um den Riss, der durch das Leben turmbauender Subjekte geht. Wer derart in die Höhe gebaut hat, dem wird der Boden zum Problem.

Die neue Kunst muss den Bürger aus seiner Siegerstarre lösen und ihn einbetten in eine bereicherte und wieder befreundete Natur. Um den Beschwerden der Höhenkranken beizukommen, müssen wir Schächte in ihre leibliche Existenz graben. (...) Aber glauben Sie nicht, junger Doktor, dass dies eine leichte Aufgabe wäre. Denn je höher die zivilisierte Seele sich über ihre Natur hinausgerungen hat in die Selbstsicherheit, desto drohender wird ihr jeder Blick nach unten scheinen.

Sie müssen mir glauben, junger Kollege, dass es eine diffizile Kunst sein wird, moderne Menschen zu kurieren. (…) Von jetzt an wird jede Heilkunst eine Kunst sein und jede Kunst Heilkunst.“

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Dr. Ilse Wildling

Meidlinger Hauptstraße 7-9/2/52
1120 Wien

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